ADFC-Wahlprüfsteine

Um die Mobilität mit dem Fahrrad zu unterstützen, hat die ADFC Ortsgruppe Lohmar den politischen Parteien Fragen zur Entwicklung bzw. Förderung des Radverkehrs in Lohmar, sog. „Wahlprüfsteine“, gestellt, die bis Ende Juli beantwortet werden sollten. Unsere Antworten auf die Fragen:

Welche Bedeutung sollte der Radverkehr Ihrer Meinung nach in Alltag und Freizeit haben?

Eine große! Radfahren ist klimafreundlich, gesund und (zumindest nahezu) emissionslos. Es ist zusammen mit dem Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs die zentrale Stellschraube für einen klimafreundlicheren Verkehr. Deshalb muss alles unternommen werden, um den Fahrradverkehr zu fördern und sicherer zu machen. Im begrenzten öffentlichen Raum kämpfen wir Lohmarer Grüne seit vielen Jahren für FahradfahrerInnen und FußgängerInnen und konnten dabei auch vorzeigbare Erfolge erreichen. So wurden in den letzten zehn Jahren verschiedene Verbindungen zu Nachbarorten geschaffen, Lücken geschlossen, Schutzstreifen angelegt, Innerortsverbindungen neu geschaffen, Hindernisse und Drängelgitter abgebaut oder regelgerecht verändert und beispielsweise abschließbare Fahrradboxen am Bahnhof Honrath geschaffen. Nicht ohne Grund ist Lohmar Fahrrad- und Fußgängerfreundliche Stadt und hat bei dem letzten Fahrradklimatest gut abgeschnitten.

Wie können die bislang im Vorplanungsstadium befindlichen Radpendlerrouten von Siegburg zum Bahnhof Honrath und von Rösrath nach Lohmar (und weiter nach Seelscheid) möglichst rasch realisiert werden?

Indem die Stadt über den Kreis bei der Bezirksregierung die Förderung und Ausweisung einfordert und die vorgeschriebenen Breiten gefördert ausgebaut werden sowie zusammen mit der Geschäftsstelle von „Regio Köln“ der Fortgang der Planung genau verfolgt wird.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, ein flächendeckendes Netz von Pendlerrouten in die Nachbarstädte für den Alltagsverkehr aufzubauen insbesondere nach Troisdorf, Rösrath und nach Overath?

Rösrath streben wir an, indem wir beantragt hatten, die von Bezirksregierung genehmigte Pendlerroute 3 von Rösrath nach Köln bis zum Donrather Dreieck und später nach Pohlhausen zu verlängern. Zurzeit scheint es so zu sein, dass bisher nur die Bereitschaft zu einer „Vorlaufstrecke“ besteht, bei der die Breite des Radweges nicht vorgeschrieben ist. Wir versuchen weiterhin, die Ausweisung als echte Pendlerroute, auch wegen Verkehren von und zum Bahnhof Rösrath und dem Schülerverkehr.

Overath ist über die Kombination an bestehenden Radwegen von Lohmar prinzipiell gut zu erreichen, hier geht es eher um Verbesserung einzelner Streckenteile. Einen Ausbau der bestehenden Radwege mit Förderung ist hier kaum zu erwarten.

Troisdorf ist das „Sorgenkind“. Der Einsatz von Troisdorf für Radwege in unsere Richtung (die sich im Troisdorfer Stadtgebiet befinden) ist begrenzt und ein Ärgernis. Das gilt für den bestehenden Radweg von der K20 westlich der Agger vorbei am Stadion bis nach Troisdorf Ortsmitte und genauso für den Teil K20 bis L84 westlich der Agger, die beide in einem bedauerlichen Zustand sind, der letztere sogar als Bestandteil des Agger-Sülz-Radweges. Wir haben vor den Coronaeinschränkungen dazu einen Antrag gestellt, der fordert, dass vom Kreis mit den Kommunen Lohmar und Troisdorf ein Runder Tisch zur Verbesserung dieser Streckenabschnitte einberufen wird. Wahrscheinlich wird das vor der Wahl nicht mehr kommen. Danach wird sich Horst Becker auch im Kreistag darum kümmern.

Wie sieht für Sie eine optimale Verknüpfung von ÖPNV (Bus und Bahn) und Radverkehr aus, und wie wollen Sie diese erreichen?

Mit möglichst vielen Radwegen (siehe auch 7.) und innerorts mit Schutzstreifen für den Radverkehr. An den Bushaltestellen und am Bahnhof müssen noch mehr Bügel für das sichere Abstellen von Fahrrädern, für den Bahnhof sind bereits beim Zuschussgeber NVR auf unseren Antrag hin Förderanträge für weitere abschließbare Fahrradboxen gestellt. Einen weiteren Knotenpunkt, der perspektivisch als Mobilstation ausgebaut werden kann, stellen wir uns am Donrather Dreieck vor.

Werden Sie den Radtourismus in der Stadt fördern, und wenn ja, auf welche Weise?

Wer am Wochenende oder jetzt in Coronazeiten mit dem Fahrrad auf unseren Fahrrad- und Wirtschaftwegen unterwegs war, konnte sehen, dass viele Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung unser Stadtgebiet wegen seiner Fahrradstrecken immer mehr schätzen. Dazu hat auch das von uns durchgesetzte und ebenfalls geförderte Beschilderungssystem beigetragen. Unsere Kandidatin für das Bürgermeisterinnenamt Claudia Wieja würde als Bürgermeisterin auf unsere gastronomischen und Hotelbetriebe zugehen und dafür werben, den Fahrradtourismus in den Blick zu nehmen. Dazu gehören spezielle Paketangebote und auch Stationen für E-Fahrräder. Von der Wirtschaftsförderung des Kreises erwarten wir die Kombination der Strecken (z.B. Siegtal, Rhein, Bonn, aber auch Agger/Sülz-Radweg) vielmehr zusammen mit den Kommunen in den Blick zu nehmen und die Region als eine fahrradfreundliche Region im Bewusstsein zu verankern. Claudia Wieja arbeitet bei der Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn und würde sich als Bürgermeisterin darum bemühen, dass diese Aspekte berücksichtigt und Netzwerke geschaffen würden.

Wie kann die Kooperation mit den Nachbarstädten (Troisdorf, Siegburg, Neunkirchen-Seelscheid, Rösrath, Overath) sowie mit dem Rhein-Sieg-Kreis und mit dem Rhein. Bergischen Kreis beim Thema Radverkehr verbessert werden?

Mit Rösrath und Overath sollte zu diesem und anderen Themen ein regelmäßiger Austausch stattfinden, der alleine wegen der Kreisgrenze nötig ist. Das ist eine Führungsaufgabe und würde auch von einer Bürgermeisterin Claudia Wieja angegangen. Zu Troisdorf siehe unter 3., mit Siegburg und Neunkirchen Seelscheid müssten bilaterale Besprechungen stattfinden.

Welche konkreten Neubaumaßnahmen von Radwegen und Lückenschlüssen halten Sie für die kommende Wahlperiode für wichtig und umsetzbar?

Der nächste, bereits durch einen Antrag von uns auf den Weg gebrachte Radweg entlang des Jabachs in Lohmar wird den Radweg durch die Kleingartenanlage mit der Hauptstraße in Höhe Tankstelle verbinden und stellt in gewisser Weise einen innerörtlichen Lückenschluss dar, wenn man zwischen Lohmar und Donrath die Donrather Kreuzung umfahren will. Nach unseren Informationen wir die Bezirksregierung im September bei den jährlichen Einplanungsgesprächen den Förderantrag genehmigen und die Stadt kann dann im nächsten Jahr den Radweg realisieren.

Gerade auch vor dem Hintergrund der deutlichen Zunahme von Pedelecs müssen in den nächsten Jahren vermehrt auch Wirtschaftswege zu und auf den Höhenrücken so hergestellt werden, dass sie als Radwegeverbindungen geeignet sind.

Außerdem werden in den nächsten Jahren von uns insbesondere die Kreisstraßen in den Blick genommen, die bis jetzt für den Fahrradverkehr am wenigsten Sicherheit bieten. Teile der K13, K16, K20, K34, der K37, der K39, der K49 sind besonders gefährlich, stellen aber wichtige Verbindungswege dar. Besonders im Bereich Heide, Inger und Birk sind Verbesserungen nötig. Wir werden versuchen, in Abstimmung zwischen Stadt und Kreis in Innerortslagen auch an diesen Kreisstraßen vermehrt Schutzstreifen durchzusetzen und außerorts wenigsten abschnittsweise Radwege. Unser Fraktionsvorsitzender Horst Becker tritt nach zehn Jahren auch deswegen noch einmal für den Kreistag an, um dort für Verbesserungen zu sorgen.

Welches Potenzial sehen Sie für unsere Stadt in dem Instrument der Fahrradstraße bzw. Fahrradzone?

Prinzipiell sind wir da aufgeschlossen. Für beides müssen genaue Konzeptionen für unser Stadtgebiet zunächst in Zusammenarbeit mit dem ADFC erarbeitet und dann mit der Bevölkerung diskutiert werden, damit es nicht zu Widerständen zu vieler Bürgerinnen und Bürger an diesen Stellen kommt.

Werden Sie sich dafür einsetzen,

– unnötige Poller und Umlaufsperren zu entfernen,

– zu schmale Schutzstreifen zu verbreitern,

– qualitativ minderwertige Radwege zu verbessern,

– Radfahrern im Kreuzungsbereich besser zu schützen,

– ausreichend breite Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung zu öffnen (Überprüfung),

– die Benachteiligung des Radverkehrs bei Ampelschaltrungen zu beseitigen,

– zusätzliche Strecken mit einem Tempolimit von 30 km/h zu versehen, um die Geschwindigkeiten von Kfz und Radfahrenden zu harmonisieren

– ausreichende Abstellmöglichkeiten am Bahnhof Honrath (überdachte),  sowie in den Ortszentren Lohmar und Wahlscheid zu schaffen

– fahrradfreundliche und sichere Radwegverbindungen unter Einbeziehung von Wirtschaftswegen zwischen den Ortschaften insbesondere entlang der Höhenrücken ins Radwegenetz mit auf zu nehmen

Wie für den Bau von Radwegen haben wir uns für alle diese Punkte nachweisbar in der Vergangenheit eingesetzt und konnten, teilweise auch in Kombination mit der Arbeit des ADFC, Erfolge erzielen. Die einzige Ausnahme ist der Punkt „die Benachteiligung des Radverkehrs bei Ampelschaltungen zu beseitigen“. Bei den Lichtsignalanlagen an Bundes- und Landesstraßen sind unsere Möglichkeiten wegen der oft bedauerlichen Blockadehaltung der Straßenverkehrsbehörde, der Kreispolizei und des Landesbetriebes Straßenbau leider sehr begrenzt.

Natürlich werden wir uns auch in Zukunft weiter für Verbesserungen einsetzen, die an manchen Stellen (Entfernung von Pollern, Verbesserung von Radwegen, Ampelschaltungen) durch eine Bürgermeisterin einfacher als aktuell umzusetzen wäre.
Neben einer weiteren engen Zusammenarbeit in diesen Fragen mit dem ADFC werden dann auch junge Menschen, für die das Fahrrad für Alltagsfahrten ein wichtiges Verkehrsmittel darstellt, deutlich mehr in die Planungen einbezogen. Dass dies erfolgreich ist, kann man auch an dem kritischen Video zum Zustand des Radwegs an der L288 durch unsere GRÜNE Jugend Lohmar sehen.

Claudia Wieja,  Parteivorsitzende und Bürgermeisterin-Kandidatin, und Horst Becker MdL, Fraktionsvorsitzender, Bau- und Verkehrsausschussvorsitzender                                                           

                                                 

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