Becker: Von signifikanter Lärmminderung keine Spur

„Jetzt beweist sich, dass die Strategie des Flughafens, alleine auf den technischen Fortschritt zu setzen, nicht zu weniger Lärm in der Nacht führt, sondern der Lärm weiter auf hohem Niveau bleibt. Von signifikanter Lärmminderung wie es das 22-Punkte-Programm vorgab, kann jedenfalls keine Rede sein!“ So kommentierte Horst Becker MdL und Mitglied der Fluglärmkommission am Flughafen Köln/Bonn für die Stadt Lohmar die neueste Untersuchung des Flughafens über den Nachtfluglärm im Jahr 2005. Diese Untersuchung geht auf das 25-Punkte-Programm zurück, das dem Flughafen aufgab, an Hand der Daten von 1997, 2000 und 2005 darzulegen, ob es in der Nacht signifikant leiser geworden sei.

Becker bezieht sich bei seiner Einschätzung darauf, dass das so genannte Nachtschutzgebiet gegenüber dem Jahr 2000 nur um 0,346 qkm, bzw. 0,5 % kleiner geworden ist, obwohl im Jahr 2000 deutlich mehr Nachtflüge stattgefunden hatten als 2005 und darüber hinaus auch noch durchschnittlich sieben Flüge pro Nacht mit der besonders lauten Boeing 727 verzeichnet wurden.

„Hier beginnt sich ein Trend abzuzeichnen, auf den ich seit zwei Jahren hinweise: Durch den vermehrten Einsatz schwerer Flugzeuge, insbesondere der MD 11, gibt es wieder eine Zunahme von lauten Schallereignissen in der Nacht. Dieser Trend geht zurzeit ungebrochen weiter, weil vermehrt von den Frachtgesellschaften die MD 11 während der Nacht eingesetzt wird. Hinzu kommt, dass damit zu rechnen ist, dass dies nicht das Ende der Entwicklung ist. In wenigen Jahren werden im Frachtbereich die ersten A 380 zum Einsatz kommen. Nach meiner Kenntnis hat sowohl UPS wie Federal Express jeweils zehn A 380 für den Frachtbetrieb bestellt und zehn weitere optioniert. Auch sie dürften nachts rund um den Flughafen mindestens 80 dB (A) verursachen. Der Gesamttrend zum Einsatz immer größerer `Lastesel´ im Frachtverkehr dürfte zumindest bei UPS noch dadurch gestärkt werden, dass der Frachtumschlag durch den Bau der neuen UPS-Frachthalle nochmals erhöht wird.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Flughafen Köln/Bonn in der Nacht weiterhin kein guter Nachbar der lärmgeplagten Bevölkerung ist, sondern sich der Lärm auf hohem Niveau stabilisiert hat und der Trend sogar auf einen Zuwachs in den nächsten Jahren hindeutet. Damit ist klar, welche Brisanz die Aussage von Ministerpräsident Rüttgers bei der Einweihung der UPS-Frachthalle im Februar hat, als er davon sprach, die jetzige Nachtflugregelung auch über 2015 hinaus fortsetzen zu wollen. In der Beantwortung einer kleinen Anfrage von mir hat Verkehrsminister Wittke inzwischen eingeräumt, dass er bereits in dieser Legislaturperiode des Landtages eine Entscheidung über die Verlängerung der Nachtflugregelung herbeiführen will. Dabei werden wir die Auseinandersetzung darüber führen, dass der Flughafen endlich aktive Schallschutzmaßnahmen, wie z.B. Lärmobergrenzen einführt und möglichst für die Nacht eine Kernruhezeit durchgesetzt wird.“, so Horst Becker.

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